Rede vom 20. Januar 2023 zum Hafenstandort Deutschland

 

Sehr geehrter Herr Präsident!
Liebe Kolleginnen und Kollegen!
Meine sehr verehrten Damen und Herren!

Sehr geehrter Herr Präsident, herzlichen Dank für den Lateinunterricht – ich habe nur Französisch in der Schule haben dürfen –, den Sie hier gegeben haben. Und herzlichen Dank an die CDU/CSU-Fraktion für diesen Antrag, den Sie eingebracht haben. Das ist ja so etwas wie eine Ergänzung der maritimen Anträge, die wir sonst immer alle zwei Jahre hatten. Ich habe einiges Gutes darin entdecken können und kann mich auch an eine gute Zusammenarbeit mit Rüdiger Kruse erinnern. Ich habe auch Dinge in diesem Antrag entdeckt, die wir mit ihm nicht durchführen konnten und die wir nicht verhandeln konnten. Ich frage mich jetzt gerade, ob es an ihm lag oder an der Rolle der CDU/CSU-Fraktion in der damaligen Koalition.

Meine Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin Kind eines Hafenarbeiters. Mein erstes Geld habe ich im Emder Hafen verdient: Ausfegen von Viehtransportern, Waschen von Autos bei jedem Wetter im Hafen, Fahren von Autos von A nach B im Hafen. Ich habe am eigenen Leibe gesehen, was es bedeutet, mit meiner Hände Arbeit Geld zu verdienen, und was das für ehrliche Arbeit ist, die die vielen Menschen in unseren Häfen denn eigentlich leisten. Sie sind die, die dafür sorgen, dass der Motor überhaupt läuft – der Motor der Wirtschaft.

(Beifall bei der SPD – Zuruf von der AfD: Dann gehören Sie aber zu einer Minderheit!)

Leider, liebe Kolleginnen und Kollegen von der CDU/ CSU-Fraktion: In Ihrem ganzen Antrag ist zur Situation der Hafenarbeiter, zur wertvollen Arbeit der Hafenarbeiter, die dazu führt, dass all das Schlaue, was Sie sonst so wirtschaftspolitisch in Ihren Antrag reingeschrieben haben, auch realisiert werden kann, kein Wort enthalten. Ohne diese Arbeiter und ohne ihre Arbeit wäre die Globalisierung und all das, was damit verbunden ist, niemals möglich gewesen.

(Beifall bei der SPD sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)

Keine Frage, Häfen haben eine strategische Bedeutung. Wir sehen das in Wilhelmshaven, in Lubmin. Sie haben strategische Bedeutung für die Energieversorgung, und sie haben strategische Bedeutung für die Lieferketten. Die Häfen sind die Lebensadern der Wirtschaft. Deswegen gehören sie gefördert; keine Frage. Aber Häfen bedeuten auch Wertschöpfung und Arbeit für die Menschen in den deutschen Häfen und darum herum. Deswegen ist es nicht egal, ob der Toaster über die ARA-Häfen oder über Hamburg, Bremen oder Emden kommt bzw. exportiert wird. Aber Wertschöpfung gibt es eben nicht nur über die Häfen in Norddeutschland; moderne Antriebssysteme kommen zum Beispiel auch aus Baden-Württemberg. Viele, viele Komponenten, die mit der maritimen Wirtschaft zu tun haben, kommen aus ganz anderen Bundesländern, als Sie vielleicht vermuten könnten. Deswegen haben wir ein gesamtstaatliches Interesse daran, die Häfen zu fördern.

Mir ist wichtig, dass wir den Fokus noch mal auf die Hafenarbeit selber und auf die Menschen, die in den Häfen arbeiten, legen. Ich kann mich gut daran erinnern, wie mein Vater abends nach Doppelschicht sein Notizbuch von der ÖTV rausholte und seine Schichten angekreuzt hat – „wieder mal Frühschicht/Spätschicht oder Spätschicht/Nachtschicht“ – und stolz darauf war, dass er damit seine Familie ernähren konnte. Wir haben Digitalisierungsherausforderungen, und ein Electronic Yard Management könnte vielleicht Arbeitsplätze gefährden. Wir wollen das Electronic Yard Management nicht aufhalten. Aber wir wollen das auch nicht hinter dem Rücken der Arbeitnehmer machen, sondern wir wollen es mit ihnen gemeinsam gestalten. Wir müssen die Mitarbeiter bei der Transformation in den Häfen mitnehmen oder, wie man es auf Ostfriesisch sagen würde: Knooit hett lüttje Mann sük genug!

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der SPD, dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der FDP)

 

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